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Zentralasien passt sich Aralsee-Katastrophe an
Zentralasien · 13.05.2026

Zentralasien passt sich Aralsee-Katastrophe an

Der Aralsee kann nicht mehr wiederhergestellt werden. Zentralasien setzt nun auf Schadensbegrenzung, Gesundheitsschutz und Wassermanagement.

Der Aralsee, einst eines der größten Binnenmeere der Welt, kann nicht mehr wiederhergestellt werden. Die zentralasiatischen Staaten konzentrieren sich deshalb zunehmend darauf, die Folgen der Umweltkatastrophe zu begrenzen und die Lebensbedingungen von Millionen betroffenen Menschen zu verbessern. Das sagte ein hochrangiger regionaler Vertreter.

„Der Aralsee ist leider nicht mehr zu retten“, sagte Askhat Orazbay, Vorsitzender des Exekutivkomitees des Internationalen Fonds zur Rettung des Aralsees (IFAS), am Rande des Regionalen Ökologiegipfels 2026 im April in Astana. „Bei seiner Gründung gab es Bemühungen, ihn wiederherzustellen und zu retten. Wir setzen unsere Arbeit nun fort, aber die Realität hat sich verändert.“

Statt einer vollständigen Wiederherstellung stehen nun Anpassung und Schadensbegrenzung im Vordergrund. Die Regierungen der Region arbeiten unter anderem an neuen Initiativen, darunter einem gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation entwickelten Fahrplan für die Jahre 2026 bis 2029. Ziel ist es, Gesundheit und Lebensbedingungen der Menschen im gesamten Aralseebecken zu verbessern.

IFAS soll regionale Zusammenarbeit sichern

Der Wandel zeigt auch, wie sich die Rolle des IFAS verändert hat. Der Fonds wurde 1992 nach dem Zerfall der Sowjetunion gegründet. Damals standen die neu unabhängigen zentralasiatischen Staaten vor der Aufgabe, gemeinsame Wasserressourcen ohne zentrale Steuerung zu verwalten.

„Die Präsidenten von fünf zentralasiatischen Ländern haben beschlossen, dieses internationale Gremium zu gründen, um die dringendsten Fragen anzugehen – Umweltfragen und Fragen des Wassermanagements“, sagte Orazbay.

Während der Sowjetzeit wurde die Verteilung des Wassers aus den wichtigsten Flüssen der Region, darunter Amudarja und Syrdarja, zentral von Moskau aus geregelt. „All diese Fragen wurden von der Zentralregierung in Moskau entschieden, insbesondere die Wasserverteilung“, sagte er. „Jedem zentralasiatischen Land wurden bestimmte Wassermengen zugeteilt – ohne Diskussion, diese Vorgaben mussten umgesetzt werden.“

Nach der Unabhängigkeit brach dieses System zusammen. „Es herrschte Chaos, weil jedes dieser Länder unabhängig wurde“, sagte Orazbay.

Erschwert wurde die Lage durch die geografischen Unterschiede zwischen den Ländern. Staaten am Oberlauf der Flüsse verfügen über andere Möglichkeiten als Länder am Unterlauf. Wasser wurde dadurch schnell zu einem sensiblen regionalen Thema.

„Wasser ist in Zentralasien das heikelste und wichtigste Thema“, sagte Orazbay. „Heute ist es wegen Wasserknappheit, Klimawandel, Bevölkerungswachstum und wirtschaftlicher Entwicklung sogar noch wichtiger als früher.“

Der IFAS wurde als Kooperationsmechanismus geschaffen. Eine seiner Hauptaufgaben bestehe darin, die verfügbaren Wasserressourcen in Zentralasien möglichst gerecht zu verteilen, sagte Orazbay.

Fokus auf Folgen der Umweltkatastrophe

Zugleich sollte der Fonds die langfristigen Folgen des Zusammenbruchs des Aralsees abmildern. Dieser Prozess hatte bereits in der Sowjetzeit begonnen, als große Wassermengen der Zuflüsse für Bewässerungsprojekte umgeleitet wurden. Die Folgen waren dramatisch: Der See schrumpfte, Ökosysteme wurden zerstört, und die Lebensgrundlagen vieler Menschen veränderten sich grundlegend.

„Die Katastrophe im Aralsee-Gebiet hat bereits stattgefunden. Deshalb stehen wir heute vor weiteren Folgen – in Umwelt, Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Gesellschaft“, sagte Orazbay. „Aus diesem Grund beschlossen die Staatsoberhäupter, den IFAS zu gründen, um die negativen Folgen der Aralsee-Katastrophe abzumildern.“

Mehr als drei Jahrzehnte später sieht Orazbay die Organisation weiterhin als wichtigen Stabilitätsfaktor. „Einer der wichtigsten Erfolge ist, dass diese Organisation und der Koordinierungsmechanismus zwischen den fünf Ländern dazu beigetragen haben, mögliche Zusammenstöße und Konflikte in Wasserfragen zu vermeiden“, sagte er.

Gleichzeitig müsse sich der Fonds an neue Realitäten anpassen. „Die Situation war damals anders als heute“, sagte Orazbay. „Unsere Aufgabe ist es, uns an die aktuelle Lage und die neuen Gegebenheiten vor Ort anzupassen.“

Die Struktur der Organisation habe sich seit ihrer Gründung jedoch kaum verändert. „Unser Gebäude hat bis heute dieselbe Form wie bei seiner Errichtung vor 34 Jahren“, sagte er.

Die regionalen Staatschefs hätten daher Reformen angeordnet. „Um den neuen Gegebenheiten Rechnung zu tragen, haben die Präsidenten Änderungen, Verbesserungen und Reformen beschlossen. Genau das setzen wir jetzt um“, sagte Orazbay. Auch die rechtliche Grundlage der Arbeit solle verbessert werden.

Sogar der Name der Organisation könnte sich ändern. Der bisherige Name spiegele die tatsächliche Arbeit nicht mehr vollständig wider, sagte Orazbay. Einige Länder hätten Alternativen wie eine „Organisation der Zusammenarbeit im Aralbecken“ vorgeschlagen.

Während der gesamte Aralsee nicht mehr wiederhergestellt werden kann, arbeitet Kasachstan weiter an der Stabilisierung des nördlichen Teils, des Kleinen Aralsees. Dort könnten gezielte Maßnahmen die Wasserqualität verbessern und die Artenvielfalt stärken.

„Das wird sich auch auf die chemische Zusammensetzung auswirken – weniger Salz, mehr Wasser“, sagte Orazbay. „Das bedeutet, dass sich auch die Artenvielfalt verbessern wird und es mehr Fische geben kann.“

Für den gesamten Aralsee bleibt die Perspektive jedoch ernüchternd. „Insgesamt ist es leider nicht positiv“, sagte er.

Künftig will sich der IFAS vor allem auf zwei Bereiche konzentrieren: Wassermanagement und Umweltschutz. Zusätzlich wird ein dritter Schwerpunkt im Zusammenhang mit Wasserkraft geprüft.

Angesichts des Klimawandels und des wachsenden Drucks auf die knappen Wasserressourcen bleibe regionale Zusammenarbeit unverzichtbar, sagte Orazbay. „Wir brauchten einen Mechanismus, um dieses Wasser gerecht zu verteilen. Das ist heute genauso wichtig wie vor 30 Jahren.“

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