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72.000 Tonnen statt 4.400: Russlands Diesel fließt wieder nach Kirgisistan
"Steppe Ahead" · 23.09.2026

72.000 Tonnen statt 4.400: Russlands Diesel fließt wieder nach Kirgisistan

Russlands Diesellieferungen nach Kirgisistan steigen im August auf 72.000 Tonnen, das 16-Fache des Vormonats. Doch ein neuer Drohnenangriff auf eine Moskauer Raffinerie zeigt, wie fragil die Versorgung bleibt.

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“

72.000 Tonnen Diesel hat Russland im August nach Kirgisistan geliefert, gut das 16-Fache des Vormonats. Im Juli waren nur 4.400 Tonnen angekommen. Auch Tadschikistan erhielt mit 56.000 Tonnen wieder deutlich mehr Kraftstoff, nach 16.000 Tonnen im Juli. Doch am 20. September stoppte ein Drohnenangriff die Gazprom-Neft-Raffinerie in Moskau, einen der größten Dieselproduzenten Russlands.

Lieferungen erholen sich nach dem Einbruch im Juli

Die Zahlen stammen vom regionalen Nachrichtenportal The Times of Central Asia. Danach lieferte Russland im August insgesamt 370.000 Tonnen Diesel nach Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und in die Mongolei. Größter Abnehmer war die Mongolei mit 215.000 Tonnen, Kasachstan erhielt 28.000 Tonnen. Von Januar bis August summieren sich Russlands Lieferungen nach Zentralasien und Afghanistan auf 2,5 Mio. Tonnen. Das sind 100.000 Tonnen weniger als im Vorjahreszeitraum, ein Minus von rund 4 %. Die russischen Raffinerien produzierten im August wieder rund 170.000 Tonnen Diesel am Tag.

Der Einbruch im Sommer hatte beide Länder hart getroffen. Ukrainische Drohnen legten mehrere russische Raffinerien lahm, Moskau begrenzte die Exporte. Am 11. August traf ein Angriff die Raffinerie im südrussischen Orsk. Ihre Reparatur kann bis zu sechs Monate dauern. In Tadschikistan rationierten Tankstellen Anfang Juli den Verkauf auf 20 Liter je Kunde. Der Dieselpreis stieg bis Ende Juli auf 17 bis 18 Somoni je Liter, umgerechnet rund 1,90 US-Dollar. Anfang Juni hatte der Liter noch etwa 11 Somoni gekostet. Bis Ende August fiel der Preis auf 16,5 Somoni. In Bischkek verteuerte sich Benzin der Sorte AI-92 zwischen Mai und Mitte August von 78,4 auf 87,9 Som je Liter. Das entsprach einem Anstieg von 0,90 auf rund 1 US-Dollar.

Bischkek subventioniert Importe und verhandelt mit China

Die kirgisische Regierung stützt den Markt mit Steuergeld. Ende August verlängerte das Ministerkabinett die Subventionen für Kraftstoffimporteure bis Jahresende. Kabinettschef Adylbek Kasymaliew bezifferte die Hilfen auf 956,1 Mio. Som, umgerechnet etwa 11,4 Mio. US-Dollar. Zugleich hob die Regierung die Preisschwellen an, ab denen die Subventionen greifen: bei Benzin der Sorte AI-92 von 860 auf 960 US-Dollar je Tonne, bei Diesel von 950 auf 1.050 US-Dollar.

Parallel sucht Bischkek neue Lieferanten. „Kirgisistan ist daran interessiert, die Lieferungen von Erdölprodukten aus China zu erhöhen“, sagte Erlist Akunbekow, stellvertretender Vorsitzender des Ministerkabinetts, bei einem Treffen mit dem Management des Ölkonzerns Sinopec in Urumqi. Mit dem Staatskonzern CNPC schlossen kirgisische Firmen bereits Lieferverträge, Mengen und Preise blieben unveröffentlicht. Kasachstan sagte zudem monatlich 15.000 bis 20.000 Tonnen Heizöl zu, Belarus lieferte bereits Diesel und Kerosin. Im August bezog Kirgisistan außerdem erstmals 35.000 Tonnen Rohöl über Kasachstan für die eigene Verarbeitung. Die Junda-Raffinerie in Kara-Balta soll für 193,75 Mio. US-Dollar modernisiert werden. Tadschikistan setzt auf Iran: Duschanbe fragte dort 2 Mio. Tonnen Rohöl, 300.000 Tonnen Diesel, 150.000 Tonnen Benzin und 100.000 Tonnen Kerosin an. Im ersten Halbjahr importierte das Land 599.500 Tonnen Ölprodukte für 494,7 Mio. US-Dollar, 91,1 % davon aus Russland.

Über 90 % aus Russland: Die Abhängigkeit bleibt

Die Erholung im August steht auf unsicherem Fundament. Am 20. September stellte die Gazprom-Neft-Raffinerie in Moskau nach einem Drohnenangriff den Betrieb ein. Die Anlage verarbeitet 11,6 Mio. Tonnen Rohöl im Jahr und produziert rund 3,2 Mio. Tonnen Diesel. Laut The Times of Central Asia dürften die Reparaturen mehrere Wochen dauern. Russlands Exportverbot für Diesel gilt weiter, zwischenstaatliche Abkommen nehmen Kirgisistan und Tadschikistan davon aus. Genau diese Konstruktion macht beide Länder verwundbar: Fällt russische Raffineriekapazität aus, trifft der Engpass sie zuerst.

Für Bischkek geht es dabei um mehr als Tankstellenpreise. Über 90 % des importierten Kraftstoffs stammen aus Russland. Diesel treibt Lastwagen, Baustellen und die Landwirtschaft an. Der Bedarf wächst: Laut der kasachischen Nachrichtenagentur Kazinform legte Kirgisistans Wirtschaft im ersten Halbjahr um 11,9 % zu, getragen von Bau und Industrie.

Alternativen bleiben begrenzt. Eine Bahnverbindung nach China fehlt, Kraftstoff aus Xinjiang muss per Lkw über Gebirgspässe. Lieferungen aus Belarus, Aserbaidschan, Usbekistan und Turkmenistan decken bislang Nischen. Vor dem Winter mit steigendem Heizbedarf bleibt die Lage angespannt. Steigen die Kraftstoffpreise erneut, treibt das die Inflation und verteuert Transport und Landwirtschaft in beiden Volkswirtschaften.

Quelle: The Times of Central Asia (Diesellieferungen), The Times of Central Asia (Subventionen), The Times of Central Asia (China), Kazinform (alle EN)

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