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10,8 % Wachstum in neun Monaten: Kirgisistan macht 8 % zum Dauerziel

Kirgisistans BIP wächst in neun Monaten um 10,8 %, der IWF hebt die Jahresprognose auf 9 % an und Präsident Dschaparow verordnet dem Land bis 2030 ein Dauerziel von 8 %.

10,8 % Wachstum in neun Monaten: Kirgisistan macht 8 % zum Dauerziel

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“

Kirgisistans Wirtschaft ist in den ersten neun Monaten 2026 um 10,8 % gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt erreichte laut Nationalem Statistikkomitee 1,64 Billionen Som, umgerechnet rund 18,8 Mrd. US-Dollar. Der Internationale Währungsfonds hob seine Jahresprognose deshalb kräftig an: von 6,1 % im April auf jetzt 9 %. Kein Land in Zentralasien und im Kaukasus wächst derzeit schneller, schon 2025 lag das Plus bei 11,1 %. Präsident Sadyr Dschaparow erklärte das Tempo am 21. Oktober zum Dauerzustand: Bis Ende 2030 sollen es im Schnitt 8 % pro Jahr werden.

Bau und Dienstleistungen tragen den Aufschwung

Die Zahlen des Statistikkomitees vom 15. Oktober zeigen einen breiten, aber unausgewogenen Boom. Die Bauleistung stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als 60 %. Die Industrie legte 7 % zu, die Landwirtschaft 6,5 %, der Handel 4,2 %. Hotels und Gaststätten wuchsen um 8,6 %, auch dank des Tourismus. Dienstleistungen stellen 48,7 % der Wirtschaftsleistung und bleiben der wichtigste Treiber. Der Motor dahinter ist die Investitionswelle: Die Anlageinvestitionen summierten sich in neun Monaten auf 365,7 Mrd. Som, rund 4,2 Mrd. US-Dollar. Nach acht Monaten lagen sie laut der aserbaidschanischen Nachrichtenagentur Trend 61,2 % über dem Vorjahr. Auch der Außenhandel zieht an: Der Warenumsatz erreichte in acht Monaten 12 Mrd. US-Dollar, ein Plus von 13,3 % gegenüber dem Vorjahr.

Dschaparow macht 8 % zum Staatsziel

Auf einer Landeskonferenz zu den „strategischen Aufgaben der kommenden fünf Jahre“ gab Dschaparow am 21. Oktober in Bischkek die Richtung vor. Laut der kirgisischen Nachrichtenagentur 24.kg sollen die ausländischen Direktinvestitionen bis 2030 um 20 % pro Jahr steigen. Das Entwicklungsprogramm bis 2030 verlangt zudem ein nominales BIP von mindestens 30 Mrd. US-Dollar und 4.500 US-Dollar pro Kopf. Tragen soll das ein exportorientiertes Modell mit Lebensmittelverarbeitung, Pharma, Chemie und Leichtindustrie. Geplant sind außerdem Eurobonds staatlicher Unternehmen, mehr langfristige Kredite der Staatsbanken und die Finanz- und Investitionssonderzone Tamtschy am Yssykköl. Auch der Tourismus soll zur Devisenquelle werden, unter anderem mit dem Resortprojekt Ala-Too und mehr Geschäftsreisen nach Bischkek. Dschaparow versprach den Investoren zugleich verlässlichere Institutionen und besseren Schutz des Privateigentums. „Das Vertrauen in den Staat beginnt mit dem Vertrauen in die Kraft des Gesetzes und der Justiz“, sagte der Präsident laut dem kirgisischen Nachrichtenportal Knews. Das englischsprachige Regionalmedium The Times of Central Asia verweist auf die Großprojekte hinter dem Plan. Die Bahnstrecke China-Kirgisistan-Usbekistan ist seit Dezember 2024 im Bau und soll 2030 fertig sein. Sie kostet 4,7 Mrd. US-Dollar, davon 2,3 Mrd. US-Dollar als Kredite chinesischer Banken. China hält 51 % am Projekt, Kirgisistan und Usbekistan je 24,5 %. Dazu kommt das Wasserkraftwerk Kambarata-1, das Bischkek gemeinsam mit Kasachstan und Usbekistan entwickelt. Beide Projekte warb die Regierung Mitte Oktober bereits bei Investoren in Genf an.

Inflation von 12 % bleibt der Preis des Booms

Der IWF-Regionalausblick vom Oktober trägt den Titel „Steering Through Uncertainty“. Für die ölimportierenden Länder der Region hob der Fonds die Wachstumsprognose 2026 um 1,5 Prozentpunkte an, vor allem wegen Georgien, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan. Die Kehrseite benennt der Bericht selbst: Die Inflation in Kirgisistan erreicht rund 12 %, der höchste Wert aller untersuchten Länder. Das Statistikkomitee meldet für die Verbraucherpreise seit Dezember ein Plus von 8,1 %. Als Risiken nennt der Fonds ein Abflauen des Re-Export-Geschäfts mit Russland und China, steigende Energiepreise und die Sanktionsanfälligkeit des Bankensektors. Wie lange das Tempo hält, ist umstritten. Für 2027 erwartet der IWF noch 7 % Wachstum, die Asiatische Entwicklungsbank dagegen 8,4 %. Die Weltbank traut dem Land schon 2026 sogar 9,6 % zu, bis 2031 rechnet der IWF mit einer Abkühlung auf 5,3 %. International fällt der Boom auf: Laut 24.kg zählt der IWF Kirgisistan 2026 zu den fünf wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Welt, hinter Rohstoff- und Technologieboomern wie Guyana und Taiwan. Kurzfristig wirkt Dschaparows 8-%-Ziel damit eher vorsichtig. Die Regierung selbst dämpft die Euphorie: Schon im September verlangte Regierungschef Adylbek Kasymaliew laut dem kirgisischen Finanzportal Akchabar, das Wachstum müsse sich an neuen Jobs und am Lebensstandard messen lassen, nicht an der Statistik. Offen ist, wie viel Wachstum ohne den kreditgetriebenen Bauboom übrig bleibt und ob die Nationalbank die Preise einfängt, bevor die Inflation die Realeinkommen und damit den Konsum aufzehrt.

Quelle: Xinhua, Trend, The Times of Central Asia, 24.kg, Akchabar (EN) Knews (RU)

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