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Tschechiens Verbraucher so pessimistisch wie seit einem Jahr nicht

Tschechiens Verbraucher so pessimistisch wie seit einem Jahr nicht

Das Verbrauchervertrauen in Tschechien sank im August um 3,3 Punkte auf 102,3 Punkte. Das meldete das tschechische Statistikamt Český statistický úřad (ČSÚ) am 24. August. Tiefer lag der Indikator zuletzt vor zwölf Monaten. Der Gesamtindikator für die Wirtschaftsstimmung gab um 0,6 Punkte auf 100,5 Punkte nach.

Die Unternehmen bewerteten ihre Lage anders als die Haushalte. Ihr Vertrauensindikator blieb unverändert bei 100,2 Punkten. Nur die Industrie legte zu, um 0,3 Punkte. Im Handel fiel der Wert um 1,1 Punkte, im Bau um 0,6 Punkte.

„Die Unternehmensstimmung blieb im August auf dem Niveau ihres langjährigen Durchschnitts, vor allem dank der erwarteten Zunahme der Industrieproduktion und, in geringerem Maße, der erwarteten Nachfragesteigerung in ausgewählten Dienstleistungsbranchen“, sagte Jiří Obst, Leiter der Abteilung Konjunkturumfragen beim ČSÚ.

Bei den Haushalten stieg der Anteil derer, die für die kommenden zwölf Monate eine schlechtere Wirtschaftslage erwarten, den zweiten Monat in Folge. Auch die Zahl derer, die keine größeren Anschaffungen planen, nahm zu.

„Der Rückgang des Verbrauchervertrauens ging im August wie im Vormonat vor allem auf wachsende Sorgen über eine Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage in Tschechien zurück. Dazu kam größere Unsicherheit der Haushalte über die eigene Finanzlage und die Sorge vor weiteren Preissteigerungen“, erklärte Anastasija Neradová aus derselben ČSÚ-Abteilung.

Die Kassen klingeln weiter, aber leiser

Die harten Umsatzdaten zeichnen ein freundlicheres Bild als die Stimmung. Im Juni stiegen die Einzelhandelsumsätze ohne Kfz-Handel real um 3,6% gegenüber dem Vorjahr. Im Mai hatte das Plus noch 4,8% betragen. Gegenüber dem Vormonat sanken die Umsätze um 0,1%. Der stärkste Monat dieses Jahres bleibt der März mit 6,2%. Seit Dezember 2023 wächst der tschechische Einzelhandel ohne Unterbrechung im Jahresvergleich.

„Die Umsätze stiegen bei Nicht-Lebensmitteln, Lebensmitteln und Kraftstoffen. Zum Wachstum trug der Verkauf über das Internet am meisten bei“, sagte Jana Gotvaldová, Leiterin der Abteilung Handels-, Verkehrs- und Dienstleistungsstatistik beim ČSÚ.

Der Onlinehandel bleibt der Motor: Internet- und Versandhändler steigerten ihre Umsätze im Juni um 12,6% gegenüber dem Vorjahr. Nicht-Lebensmittel legten insgesamt um 5,4% zu, Lebensmittel um 2,1%, Kraftstoffe um 0,3%. Apotheken und Anbieter von Gesundheitsprodukten verbuchten ein Plus von 7,4%. Rückläufig waren dagegen Geschäfte mit Computer- und Kommunikationstechnik mit minus 1,5% und Läden für Kultur, Sport und Freizeit mit minus 1,1%.

Was deutsche Anbieter daraus lesen

Tschechische Haushalte kaufen weiter, aber sie verschieben Anschaffungen und meiden teure Elektronik. Deutsche Hersteller von Unterhaltungselektronik, Sportartikeln und Freizeitprodukten treffen damit auf den schwächsten Teil des Marktes. Wer Lebensmittel, Drogerie- oder Gesundheitsprodukte liefert, sieht dagegen stabile Nachfrage.

Der zweistellige Zuwachs im Onlinehandel verschiebt die Verhandlungsmacht. Wer in Tschechien verkaufen will, braucht Listungen bei Alza, Rohlik und Notino ebenso wie bei den Filialketten. Der Rückgang des Handelsindikators um 1,1 Punkte signalisiert, dass die Händler selbst mit schwächerer Nachfrage rechnen. Für die Verhandlungen zum Weihnachtsgeschäft heißt das: härtere Preisgespräche und kürzere Abnahmezusagen.

Quellen: Český statistický úřad, Konjunkturumfragen August 2026 und Einzelhandel Juni 2026 (CS/EN)

SK, Frankfurt

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