Aserbaidschans Ölfonds hält 73,5 Mrd. US-Dollar: Gold macht 36% aus
Der aserbaidschanische Staatsölfonds SOFAZ verwaltete Ende März 73,5 Mrd. US-Dollar. Das entspricht 93,2% der Wirtschaftsleistung, die die Ratingagentur Fitch für 2026 erwartet. Gold ist der größte Posten im Portfolio und stellt 36% der Anlagen. Fitch legte die Auswertung am 25. August vor.
Zwischen 2023 und dem Ende des ersten Quartals 2026 trug Gold 19,4 Mrd. US-Dollar zum Zuwachs der Fondsmittel bei. Nur 26% davon gehen auf eine größere Menge zurück. Den Rest erklärt der Preis. Der Fonds hat also weniger gekauft als verdient.
Ein Rohstoffexporteur, der kein Gold ausführt
Ende 2025 machte Gold 32,2% der staatlichen Auslandsaktiva Aserbaidschans aus. An den Warenausfuhren des Landes hatte das Metall dagegen einen Anteil von 0,2%. Aserbaidschan verdient sein Geld mit Öl und Gas und legt einen wachsenden Teil davon in Gold an. Die Bilanz des Staates hängt damit an zwei Preisen statt an einem.
SOFAZ selbst meldete für den 1. Juli ein Portfolio von 72,6 Mrd. US-Dollar, 9,1% mehr als ein Jahr zuvor. Gegenüber dem Jahresbeginn schrumpfte der Bestand leicht. Der Fonds verkaufte zwischen Januar und April einen Teil seiner Goldreserven und gewichtete das Portfolio neu. Fitch nennt diesen Verkauf als Beispiel dafür, dass Mengenänderungen den Preiseffekt dämpfen können.
Fitch stützt das Rating, stellt aber keine Heraufstufung in Aussicht
Fitch bewertet Aserbaidschan mit BBB-, der untersten Stufe im Investmentbereich. Die Fondsmittel verschaffen dem Land eine außergewöhnlich hohe Devisenliquidität und die Stellung eines Nettogläubigers gegenüber dem Ausland. Beides hebt die Note über das, was die Wirtschaftsstruktur allein hergibt.
„Der Anstieg der Goldpreise stützt Aserbaidschans Rating, dürfte auf kurze Sicht aber kein Grund für eine weitere Heraufstufung sein“, heißt es in dem Bericht vom 25. August. Fitch beobachtet denselben Aufbau von Goldreserven bei Zentralbanken und Staatsfonds im Kaukasus und in Zentralasien.
Für deutsche Exporteure zählt vor allem der Nettogläubigerstatus. Aserbaidschan finanziert Kraftwerke, Netze, Bahnstrecken und Industrieanlagen aus eigenen Mitteln und muss dafür keine teuren Auslandskredite aufnehmen. Das senkt das Zahlungsrisiko bei Großaufträgen und verbilligt die staatliche Exportkreditdeckung. Zugleich hängt dieser Puffer inzwischen zu gut einem Drittel am Goldpreis. Fällt er deutlich, schmilzt die Reserve, und die Zahlungsfähigkeit des Staates richtet sich wieder allein nach dem Ölpreis. Wer langfristige Lieferverträge nach Baku schließt, sollte beide Notierungen im Blick behalten.
Quellen: Fitch Ratings, Bericht vom 25. August 2026 (EN); State Oil Fund of the Republic of Azerbaijan, Portfoliodaten zum 1. Juli 2026 (EN); APA-Economics und Trend (EN).
SK, Frankfurt