Tschechiens Einzelhandel: Rohlik wächst zehnmal so schnell wie der Markt
Die Rohlik Group steigerte ihren Umsatz im Geschäftsjahr bis Ende April 2026 um 35% auf 1,45 Mrd. Euro. Das entspricht 35 Mrd. tschechischen Kronen. Der gesamte tschechische Einzelhandel legte im Juni real um 3,6% gegenüber dem Vorjahr zu, meldete das tschechische Statistikamt Český statistický úřad (ČSÚ). Die Lücke zwischen dem Onlinehändler und dem Gesamtmarkt beträgt damit mehr als das Zehnfache.
Auf dem Heimatmarkt setzte Rohlik 21,7 Mrd. Kronen um, rund 900 Mio. Euro, bei 13 Mio. Bestellungen. Erstmals erreichte die Gruppe im vierten Quartal ein positives EBITDA von rund 5 Mio. Euro.
„Wir können das Kapitel schließen, in dem die Leute sagten, Rohlik werde nie verdienen“, sagte Gründer und Chef Tomáš Čupr Ende Mai. Tschechien steuert etwa die Hälfte des Konzernumsatzes bei, die deutschsprachigen Märkte rund 30%. In Deutschland tritt Rohlik als Knuspr auf.
Der zweite tschechische Onlineriese wächst langsamer. Notino schloss das Geschäftsjahr 2025 mit 1,76 Mrd. Euro ab, ein Plus von 11,5%, und baute rund 300 Stellen ab. „Die Transformation war nicht einfach und schlug sich kurzfristig auch in unserem Wachstumstempo nieder“, sagte Co-Geschäftsführer Jakub Šedý im Juli. In den ersten Monaten 2026 zog das Wachstum auf 27% an.
Sechs Konzerne, drei Viertel des Marktes
Im Lebensmittelhandel bleibt die Rangfolge stabil. Nach den zuletzt veröffentlichten Jahresabschlüssen führt Lidl mit knapp 108 Mrd. Kronen, rund 4,5 Mrd. Euro. Dieser Wert deckt allerdings ein verlängertes Geschäftsjahr von 15 Monaten bis Ende Februar 2025 ab und ist mit den übrigen Zahlen nicht direkt vergleichbar. Kaufland kam im Geschäftsjahr bis Februar 2025 auf 79,3 Mrd. Kronen, Albert im Kalenderjahr auf 74,4 Mrd. Kronen, Penny auf 61,9 Mrd. Kronen. Billa erreichte 37 Mrd. Kronen, Globus im Jahr bis Juni 2025 26,6 Mrd. Kronen.
Bei den Gewinnen dreht sich das Bild. Kaufland verdiente mit 3,19 Mrd. Kronen netto mehr als Lidl mit 2,69 Mrd. Kronen, obwohl Lidl den höheren Umsatz auswies.
Die Konzentration ist hoch. Eine Studie der Mendel-Universität Brünn für die tschechische Wettbewerbsbehörde ÚOHS beziffert den Anteil der sechs größten Firmen auf 75% des Marktes. Die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Rewe mit Billa und Penny beherrschen zusammen etwa die Hälfte des Lebensmittelhandels.
Billa investiert 2026 rund 2,8 Mrd. Kronen, etwa 116 Mio. Euro. Die Kette will 15 Filialen eröffnen und betreibt derzeit 289 Standorte.
Was deutsche Lieferanten daraus lesen
Das Wachstum verlagert sich in den Onlinekanal, ohne dass die Filialketten schrumpfen. Internet- und Versandhändler steigerten ihre Umsätze im Juni um 12,6%. Wer in Tschechien Konsumgüter verkauft, braucht beide Zugänge: Listung bei Schwarz und Rewe für Volumen, Präsenz bei Rohlik, Alza und Notino für Wachstum.
Die Stimmung mahnt zur Vorsicht. Der ČSÚ-Indikator für den Handel fiel im August um 1,1 Punkte, das Verbrauchervertrauen sank auf ein Jahrestief. Die Händler rechnen selbst mit schwächerer Nachfrage und werden das in den Preisverhandlungen zum Weihnachtsgeschäft weitergeben.
Für deutsche Anbieter zählt ein dritter Punkt: Rohlik exportiert sein Modell nach Deutschland und München steht auf der Liste. Wer heute in Prag listet, verhandelt morgen mit demselben Einkauf in München.
Quellen: Český statistický úřad, Einzelhandel Juni 2026 und Konjunkturumfragen August 2026 (CS); Rohlik Group und Notino, Unternehmensangaben (CS); ÚOHS und Mendel-Universität Brünn, Studie zum Einzelhandelsmarkt (CS); Česká národní banka, Devisenkurs (CS/EN)
SK, Frankfurt