Tschechiens Einzelhandel wächst den 32. Monat in Folge: Onlinehandel legt um 12,4% zu
Die tschechischen Einzelhandelsumsätze stiegen im Juli real um 4,8% gegenüber dem Vorjahresmonat. Das meldete das tschechische Statistikamt ČSÚ am 4. September. Gegenüber Juni legten die Umsätze um 0,6% zu. Es war der 32. Monat in Folge mit einem Plus im Jahresvergleich.
Den Ausschlag gab der Onlinehandel. Internet- und Versandhändler steigerten ihre Umsätze um 12,4%. Der Handel mit Nichtlebensmitteln wuchs um 6,6%, der Verkauf von Kraftstoffen um 4,0%, der Lebensmittelhandel um 2,7%.
„Die Einzelhandelsumsätze wuchsen im Juli, bereinigt um Preiseinflüsse, den 32. Monat in Folge im Jahresvergleich. Die Umsätze stiegen beim Verkauf von Nichtlebensmitteln, Kraftstoffen und Lebensmitteln. Zum Wachstum trug der Verkauf über das Internet am meisten bei“, sagt Jana Gotvaldová, Leiterin der Abteilung für Handels-, Verkehrs- und Dienstleistungsstatistik im ČSÚ.
Apotheken und Bekleidungshandel treiben das Plus
Unter den Fachgeschäften legten Apotheken und Sanitätshäuser um 7,8% zu. Läden für Bekleidung und Schuhe steigerten ihre Umsätze um 8,8%. Nicht spezialisierte Geschäfte mit Lebensmittelschwerpunkt, also Supermärkte und Discounter, wuchsen um 2,7%. Nur ein Segment schrumpfte: Geschäfte mit Haushaltswaren.
Der Kfz-Handel blieb zurück. Verkauf und Reparatur von Kraftfahrzeugen legten um 0,5% zu, gegenüber Juni um 0,1%. Der Fahrzeugverkauf einschließlich Ersatzteilen wuchs um 0,7%, das Reparaturgeschäft stagnierte.
Fallende Lebensmittelpreise stützen die Kaufkraft
Die Preise erklären einen Teil des Zuwachses. Nach der Schnellschätzung des ČSÚ vom 4. September stiegen die Verbraucherpreise im August um 1,9% gegenüber dem Vorjahr. Im Juli hatte die Rate 1,7% betragen. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke verbilligten sich um 4,3%, unverarbeitete Lebensmittel um 4,5%.
Teurer wurden Dienstleistungen, sie kosteten 4,5% mehr als vor einem Jahr. Energie einschließlich Kraftstoffen verteuerte sich um 2,3%. Waren insgesamt lagen 0,2% über dem Vorjahreswert. Die endgültigen Preisdaten veröffentlicht das ČSÚ am 10. September.
Für die Handelsketten heißt das: Das Plus kommt aus der Menge, nicht aus dem Preis. Wer Lebensmittel verkauft, setzt mehr Ware ab und erlöst je Einheit weniger. Wer Kleidung oder Arzneimittel verkauft, verdient an beidem.
Deutsche Exporteure treffen damit auf einen Markt, der Volumen zieht. Tschechien nimmt deutsche Konsumgüter über kurze Wege ab, die Lieferzeiten liegen bei einem Tag. Der Onlinehandel wächst mit 12,4% mehr als doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt. Wer Markenware nach Tschechien liefert, sollte Verpackung, Retourenlogistik und Sortimentstiefe auf den Paketversand auslegen statt auf die Palette. Wer Haushaltswaren im Programm hat, trifft dagegen auf das einzige Segment, das schrumpft.
Quellen: Český statistický úřad, Rychlá informace „Maloobchod – červenec 2026“ und „Předběžný odhad indexu spotřebitelských cen – srpen 2026“, beide 4. September 2026 (CS).
SK, Frankfurt