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35.000 Tonnen im August: Kirgisistan bezieht erstmals Rohöl über Kasachstan

Über eine neue KazTransOil-Route erhielt Kirgisistan im August 35.000 Tonnen Rohöl, mehr als im gesamten Jahr 2025: die Antwort auf Raffinerieausfälle in Russland und steigende Benzinpreise.

35.000 Tonnen im August: Kirgisistan bezieht erstmals Rohöl über Kasachstan

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“

35.000 Tonnen Rohöl in zwei Wochen: Über eine neue Route durch Kasachstan hat Kirgisistan im August mehr Öl importiert als im gesamten Jahr 2025. Der kasachische Pipelinebetreiber KazTransOil startete die Transitlieferungen am 15. August. Der Anlass ist eine Treibstoffkrise: Drohnenangriffe legen russische Raffinerien lahm, in Kirgisistan steigen die Benzinpreise und einzelne Tankstellen gehen leer aus.

Neue Route: Pipeline bis Schagyr, dann per Kesselwagen nach Kirgisistan

KazTransOil meldete den Start der Lieferungen am 3. September, berichtet die aserbaidschanische Nachrichtenagentur Trend. Das Öl fließt zunächst durch das kasachische Pipelinenetz bis zum Verladepunkt Schagyr. Dort pumpt KazTransOil es in Kesselwagen, die Bahn bringt es nach Kirgisistan. Im August kamen so 35.000 Tonnen an. Das Unternehmen erklärte: „Der Start der Transitlieferungen nach Kirgisistan eröffnet eine neue Route für den Öltransport durch Kasachstan und erweitert das Spektrum der Transitdienstleistungen von KazTransOil.“ Die englischsprachige Regionalzeitung Times of Central Asia ordnet die Menge ein: Im gesamten Jahr 2025 importierte Kirgisistan nur 26.400 Tonnen Rohöl. Ein einziger Monat übertraf damit das komplette Vorjahr. Das Öl stammt laut der Zeitung aus Russland. Die Zahlen zeigen zugleich, wie brach die kirgisische Ölverarbeitung bisher lag: Die beiden großen Raffinerien des Landes können zusammen 1,3 Mio. Tonnen pro Jahr verarbeiten, bekamen 2025 aber nur einen Bruchteil davon als Rohstoff. Für KazTransOil ist die Route ein Zusatzgeschäft: Im ersten Halbjahr transportierte der Konzern 22,9 Mio. Tonnen durch sein 5.196 Kilometer langes Netz, 643.000 Tonnen mehr als ein Jahr zuvor.

Treibstoffkrise: Benzinpreis steigt binnen drei Monaten um 12 %

Der Grund für die Eile liegt in Russland. Kirgisistan verbraucht laut Energieministerium jährlich rund 1,6 Mio. Tonnen Treibstoff, 93 % davon kommen aus Russland, berichtet das kirgisische Finanzportal Akchabar. Diese Quelle stockt: Nach einem Drohnenangriff am 11. August stand die Raffinerie im russischen Orsk still, die Reparatur kann laut Times of Central Asia bis zu sechs Monate dauern. Die Folgen zeigen sich an kirgisischen Zapfsäulen. Benzin der Sorte AI-92 verteuerte sich von Mai bis August von 78,4 auf 87,9 Som je Liter, rund 1 US-Dollar. Das ist ein Plus von 12 % in drei Monaten. AI-95 kostete zuletzt 109,9 Som, Diesel 99,9 Som. Einzelne Tankstellen hatten zeitweise kein AI-95 mehr. Wie groß die Abhängigkeit ist, zeigen die Importzahlen: Von Januar bis Mai bezog Kirgisistan laut Times of Central Asia aus Russland 251.000 Tonnen Benzin, 235.150 Tonnen Diesel und 48.150 Tonnen Kerosin. Die Regierung sucht deshalb neue Lieferanten. Vize-Kabinettschef Erlist Akunbekow verhandelte am 17. August in Urumtschi mit dem chinesischen Konzern Sinopec über Direktlieferungen, mehr als zehn kirgisische Ölhandelsfirmen saßen mit am Tisch. Die erste Fuhre aus China kam bereits im Juli per Lkw, die Logistik über die Grenzpässe begrenzt aber die Menge. Kasachstan sagte 15.000 bis 20.000 Tonnen Heizöl pro Monat zu, mit Belarus gibt es Vereinbarungen über Diesel und Kerosin.

Eigene Raffinerien decken auch künftig nur die Hälfte des Bedarfs

Das Rohöl aus der neuen Route soll die eigene Verarbeitung anschieben. Die Raffinerie Junda in Kara-Balta kann 800.000 Tonnen pro Jahr verarbeiten, ein Umbau für 194 Mio. US-Dollar soll sie auf die Abgasnorm Euro-5 heben. Die Kyrgyz Petroleum Company in Dschalal-Abad schafft 500.000 Tonnen und stellt von der Sorte AI-80 auf AI-92 und AI-95 um. Präsident Sadyr Dschaparow dämpft dennoch die Erwartungen: Laut Times of Central Asia decken beide Werke selbst nach der Modernisierung nur rund die Hälfte des Bedarfs, er fordert deshalb zwei zusätzliche Raffinerien. Die neue Route löst zudem nur einen Teil des Problems. Kirgisistan ersetzt ausgefallene russische Raffinerien, nicht russisches Öl: Der Rohstoff selbst kommt weiter aus Russland. Sinkt die russische Förderung oder greifen neue Sanktionen auf den Rohölexport über, trifft das auch die neue Route. Offen ist zudem, wie viel Volumen die Bahnverladung in Schagyr dauerhaft schafft und zu welchen Kosten. Jeder Umschlag von der Pipeline auf die Schiene verteuert die Lieferung, und die Bahnkapazität zwischen Kasachstan und Kirgisistan ist begrenzt. Auch die Preisfrage bleibt: Eigene Verarbeitung schützt vor Engpässen bei russischem Fertigbenzin, nicht aber vor steigenden Rohölpreisen. Klar ist die Richtung: Kirgisistan verlagert die Wertschöpfung ins eigene Land und macht Kasachstan zur Drehscheibe seiner Ölversorgung. Gelingt der Hochlauf, entsteht in Kara-Balta und Dschalal-Abad eine Raffineriebranche, die den Binnenmarkt zur Hälfte versorgt und Arbeitsplätze schafft. Scheitert er, bleibt Bischkek Bittsteller bei russischen Raffinerien, deren Ausfälle es nicht steuern kann. Für den Treibstoffmarkt des Landes ist die neue Route damit die größte Umstellung seit Jahren.

Quelle: Trend, Times of Central Asia, Times of Central Asia, Akchabar (alle EN)

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