Aserbaidschans Zentralbank hält den Leitzins bei 6,5%: Die Inflation sinkt im September auf 5,5%
6,5%: So hoch bleibt der Leitzins in Aserbaidschan. Die Zentralbank ließ ihn am 29. Oktober unverändert. Der Zinskorridor liegt weiter bei 5% bis 7,5%. Die nächste Entscheidung fällt am 23. Dezember.
Die Inflation liegt im Zielband
Die Jahresinflation fiel im September auf 5,5%. Das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als im August. Die Kerninflation liegt bei 4,9%. Lebensmittel, Alkohol und Tabak verteuerten sich um 6,9%, bezahlte Dienstleistungen um 5,1%, Waren ohne Lebensmittel um 3,6%.
Das Ziel der Zentralbank lautet 4% plus minus 2 Prozentpunkte. In ihrer Mitteilung schreibt sie: „Die Jahresinflation liegt im Zielkorridor von 4 ± 2% und entspricht dem Prognosepfad des Basisszenarios.“
Für Ende 2026 und Ende 2027 erwartet die Zentralbank jeweils 5,9%. Die Prognose für 2026 sank um 0,2 Prozentpunkte von zuvor 6,1%. Für 2027 hob sie den Wert um 0,1 Prozentpunkte von 5,8% an. Als Risiko nennt sie steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise bei den wichtigsten Handelspartnern.
Leistungsbilanz und Reserven stützen die Währung
Die Zentralbank hob ihre Prognose für den Leistungsbilanzüberschuss an. Für 2026 erwartet sie 8,5 Mrd. US-Dollar, mehr als 10% der Wirtschaftsleistung. Für 2027 rechnet sie mit 5,4 Mrd. US-Dollar, mehr als 6%. Die Devisenreserven stiegen in den ersten neun Monaten um 33,4% auf 15,4 Mrd. US-Dollar.
Die Nettoüberweisungen aus dem Ausland legten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 70% auf 830,5 Mio. US-Dollar zu. Der Anteil der Dollareinlagen sank binnen zwölf Monaten um 3,3 Prozentpunkte auf 25,7%. Der Bankensektor hält einen Liquiditätsüberschuss von 6,2 Mrd. Manat, das 2,2-Fache des Werts von Ende 2025.
Die Konjunktur wächst dagegen schwach. Das staatliche Statistikkomitee meldete für Januar bis September ein Plus der Wirtschaftsleistung von 1,5% zum Vorjahr. Der Öl- und Gassektor schrumpfte um 1,2%. Die übrige Wirtschaft wuchs um 2,6%.
Der Außenhandel liefert weiter Überschüsse. Die Handelsbilanz schloss die ersten neun Monate mit einem Plus von 10,5 Mrd. US-Dollar. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) erwartet für 2026 ein Wachstum von 2% und für 2027 von 2,5%. Die Anlageinvestitionen stiegen in den ersten sieben Monaten laut EBRD um 10,7%. Die durchschnittliche Inflation lag in diesem Zeitraum bei 5,7%.
Für deutsche Exporteure bleibt das Finanzumfeld berechenbar. Der offizielle Kurs liegt bei 1,70 Manat je US-Dollar, und die Reserven von 15,4 Mrd. US-Dollar stützen die Zahlungsfähigkeit des Landes für Importe. Die Finanzierungskosten ändern sich vor Dezember nicht. Wer Kunden außerhalb des Öl- und Gassektors beliefert, trifft auf ein Wachstum von 2,6%, nicht auf einen Boom.
Quellen: Zentralbank Aserbaidschans (EN), staatliches Statistikkomitee Aserbaidschans (EN), Trend (EN), APA (EN), 1news.az (EN)
SK, Frankfurt