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Inflation bei 6,4 %: Usbekistans Zentralbank stellt Zinswende in Aussicht

Usbekistans Inflation fällt auf 6,4 %, Zentralbankchef Ishmetov hält eine Zinssenkung noch 2026 für möglich, und Goldman Sachs und BlackRock sollen die Anlage der Rekordreserven von 77,1 Mrd. US-Dollar beraten.

Inflation bei 6,4 %: Usbekistans Zentralbank stellt Zinswende in Aussicht

Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“

Usbekistans Inflation lag im Juli bei 6,4 %, nach 8,9 % ein Jahr zuvor. Zentralbankchef Timur Ishmetov sieht darin Spielraum: Laut der US-Finanznachrichtenagentur Bloomberg hält er eine Zinssenkung noch in diesem Jahr für möglich. Der Leitzins steht bei 14 %. Zugleich holt die Notenbank prominente Hilfe: Goldman Sachs und BlackRock sollen beraten, wie das Land seine Rekordreserven von 77,1 Mrd. US-Dollar breiter anlegt.

Leitzins bei 14 %: Notenbank deutet Spielraum nach unten an

Am 29. Juli beließ der Zentralbankrat den Leitzins erneut bei 14 %. Die Begründung: Der Rückgang der Teuerung soll sich verfestigen, die Inflationserwartungen bleiben hoch. Privathaushalte erwarten laut Notenbank 10,1 % Teuerung, Unternehmen 9,9 %. Das offizielle Inflationsziel liegt bei 5 %, die Jahresendprognose der Notenbank bei 6,5 %. Der Branchendienst bne IntelliNews meldet für Juli eine Jahresrate von 6,4 %, unverändert gegenüber Juni. Größter Preistreiber bleibt Benzin mit plus 21,7 % zum Vorjahr. Die Kernrate lag zuletzt bei 5,7 %.

Am 24. August sprach Ishmetov auf einem Finanzforum in Taschkent. Das usbekische Nachrichtenportal Gazeta.uz zitiert ihn: „Alle diese externen Schocks, vor allem die aktuelle Entwicklung bei Öl- und Lebensmittelpreisen, haben Usbekistan noch nicht direkt getroffen. Aber wir beobachten die Lage genau.“ Und weiter: „Die Zentralbank muss bereit sein, in beide Richtungen zu handeln, egal ob die Inflation weiter sinkt oder Aufwärtsrisiken eintreten.“ Die nächste Zinssitzung ist für den 16. September angesetzt. Die Wirtschaft verträgt Geduld: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Halbjahr um 8,5 %, nach 7,7 % im Gesamtjahr 2025. Für 2026 erwartet die Notenbank 7,5 bis 8 % Wachstum. Noch im März klang die Notenbank anders. Damals drohte sie mit weiteren Straffungen, falls externe Risiken eintreten. Die niederländische Bank ING halbierte daraufhin ihren erwarteten Senkungsspielraum für 2026 von 200 auf 100 Basispunkte.

Goldman Sachs und BlackRock beraten bei der Reserveanlage

Parallel professionalisiert die Zentralbank ihr Reservemanagement. Laut Bloomberg hat sie Goldman Sachs und BlackRock eingeladen, Vorschläge für die Anlagestrategie zu machen. Die internationalen Reserven erreichten im März mit 77,1 Mrd. US-Dollar einen Rekord, nach 66,3 Mrd. US-Dollar zum Jahresbeginn. Rund 83 % davon entfallen auf Gold: Ende 2025 waren es 55,1 Mrd. US-Dollar, mehr als 400 Tonnen. Usbekistan kauft weiter zu. Laut World Gold Council erwarb die Notenbank im ersten Halbjahr 41 Tonnen und war im Juni drittgrößter Goldkäufer unter den Notenbanken, meldet das usbekische Portal Zamin.uz. Erst seit 2024 investiert die Zentralbank auch in US-Staatsanleihen, bislang 1 bis 1,5 Mrd. US-Dollar. Seit 2020 nutzt sie das Beratungsprogramm RAMP der Weltbank, seit 2023 arbeitet ein eigenes Investmentkomitee. Die Devisenbestände verteilt Taschkent laut dem TV-Sender Euronews auf 35 internationale Banken in 16 Ländern. Beim Gold bleibt das Land konservativ. Kamol Alimuhammedov, amtierender Direktor für das Reservenmanagement, sagte Euronews im Februar: „Wir lagern alle unsere Goldreserven hier in Usbekistan, in den Tresoren der Zentralbank.“ Oberstes Prinzip sei die Sicherheit der Reserven.

Goldkonzentration bleibt das größte Risiko

Die Zahlen zeigen ein Land, das geldpolitisch zur Stabilität findet. Im regionalen Vergleich steht Usbekistan gut da: Kasachstan meldete im Juni 10,3 % Inflation, Kirgisistan erwartet für 2026 bis zu 15 %. Für ausländische Investoren ist das ein Argument. Eine Währung mit sinkender Teuerung senkt das Kalkulationsrisiko für langfristige Projekte, von Solarparks bis zu Kupferminen. Doch zwei Risiken bleiben. Erstens hängt der Reservenrekord am Goldpreis. Der hohe Goldanteil von 83 % hat die Reserven im Preisboom aufgebläht. Fällt der Preis, schrumpft der Puffer, ohne dass eine Tonne das Land verlässt. Genau deshalb ist das Mandat für Goldman Sachs und BlackRock mehr als Symbolik: Es soll die Abhängigkeit von einem einzigen Rohstoff verringern.

Zweitens ist die Zinswende nicht ausgemacht. Die niederländische Bank ING dämpfte bereits im Frühjahr die Erwartungen. Laut ING rückt eine Lockerung an das Jahresende, und die Inflation 2026 dürfte mit rund 8 % deutlich über der Notenbankprognose liegen. Steigende Öl- und Lebensmittelpreise auf den Weltmärkten könnten die Rechnung verderben, wie Ishmetov selbst einräumt. Für Unternehmen im Land wäre eine Senkung dennoch ein starkes Signal. Real gerechnet liegt der Leitzins gut sieben Punkte über der Teuerung, Kredite in der Landeswährung Sum bleiben entsprechend teuer. Eine erste Senkung würde Investitionen verbilligen und den Kreditzyklus stützen, ohne die Disinflation zwingend zu gefährden. Der 16. September wird damit zum Testfall: Traut Taschkent der eigenen Preisstabilität, oder wartet die Notenbank ab, bis auch die Erwartungen der Haushalte einstellig sind.

Quelle: Gazeta.uz, Bloomberg, bne IntelliNews, Gazeta.uz (Zinsentscheid), ING, Zamin.uz, Euronews (alle EN)

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