1.300 Somoni Mindestlohn: Tadschikistan erhöht Staatsgehälter um bis zu 25 %
Tadschikistan hebt zum 1. September die Gehälter im Staatssektor um bis zu 25 % an, der Mindestlohn steigt um 30 % auf umgerechnet rund 141 US-Dollar im Monat.
Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“
Tadschikistan hat zum 1. September die Gehälter im Staatssektor um 20 bis 25 % angehoben. Der Mindestlohn steigt um 30 % auf 1.300 Somoni, umgerechnet rund 141 US-Dollar im Monat. Renten legen um mindestens 15 % zu, Stipendien um 20 %. Es ist die zweite Lohnrunde binnen zwölf Monaten, und sie fällt in eine Phase mit 8,2 % Wirtschaftswachstum.
Lehrer bekommen 25 % mehr, Renten steigen stärker als die Preise
Die tadschikische Nachrichtenagentur Asia-Plus listet die Details auf. Lehrkräfte an Vorschulen und allgemeinbildenden Schulen erhalten 25 % mehr Gehalt. Beschäftigte in Wissenschaft, Kultur, Sport, Gesundheit, Sozialschutz, Verwaltung, Armee und Polizei bekommen 20 % mehr. Der Basissatz für medizinisches Personal steigt auf 893 Somoni, rund 97 US-Dollar. Für Beamte gelten je nach Kategorie neue Basissätze zwischen 1.506 und 1.668 Somoni. Studenten erhalten 20 % höhere Stipendien.
Die Renten werden an die Inflation von 2025 angepasst, mindestens aber um 15 % erhöht. Die Verbraucherpreise stiegen 2025 laut der chinesischen Staatsagentur Xinhua nur um 3,5 %. Der Staat hebt die Renten damit gut viermal stärker an, als es der Preisauftrieb verlangt. Präsident Emomali Rahmon hatte die Erhöhung im Dezember in seiner Parlamentsansprache angekündigt. Das tadschikische Nachrichtenportal Your.tj zitiert ihn mit den Worten: „Die Steigerung des Lebensniveaus und der Lebensqualität des Volkes ist das höchste Ziel des Staates.“ In derselben Rede kündigte Rahmon für 2026 einen Bildungsetat von knapp 14 Mrd. Somoni an, ein Plus von 25,4 % gegenüber 2025.
Duschanbe wiederholt damit das Muster des Vorjahres. Im September 2025 stiegen die Bildungsgehälter um 30 %, der Mindestlohn kletterte von 800 auf 1.000 Somoni. Binnen zwei Jahren hat sich der gesetzliche Lohnboden damit um gut 60 % erhöht. Der russische Staatssender Sputnik Tadschikistan beziffert die Kosten der neuen Lohnrunde unter Berufung auf das Statistikamt auf 292,7 Mio. Somoni, rund 32 Mio. US-Dollar.
8,2 % Wachstum und ein besseres Rating stützen die Lohnpolitik
Den Spielraum liefert die Konjunktur. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Halbjahr um 8,2 % auf 81,7 Mrd. Somoni, rund 8,8 Mrd. US-Dollar. Wirtschaftsminister Abdurahmon Abdurahmonzoda nannte laut Xinhua eine Industrieproduktion von plus 14,1 %, Anlageinvestitionen von plus 18,4 % und einen Einzelhandelsumsatz von plus 26,1 %. Die Inflation lag im Halbjahr bei niedrigen 2,4 %.
Auch am Markt ziehen die Löhne an. Der Durchschnittslohn erreichte im April 3.200 Somoni, rund 347 US-Dollar, ein Plus von 20,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Am besten zahlen Banken und Versicherer mit 8.300 Somoni, gefolgt von IT und Telekommunikation mit 6.000 Somoni und der Energiewirtschaft mit 5.700 Somoni. Am unteren Ende steht die Landwirtschaft mit 1.500 Somoni. Regional führt die Hauptstadt Duschanbe, die Provinz Chatlon bildet das Schlusslicht. Am 14. August stufte die Ratingagentur S&P Tadschikistan von B auf B+ hoch, mit stabilem Ausblick. Die Agentur verweist laut Asia-Plus auf Devisenreserven von 6,4 Mrd. US-Dollar Ende 2025 nach 4,4 Mrd. US-Dollar ein Jahr zuvor. Die Nettostaatsschuld soll unter 20 % des BIP bleiben. Zwischen 2021 und 2025 wuchs die Wirtschaft laut S&P im Schnitt um 8,5 % pro Jahr. Das Pro-Kopf-Einkommen erwartet die Agentur für 2026 bei rund 1.850 US-Dollar, etwa doppelt so hoch wie 2021.
Niedrige Basis, teures Großprojekt: die Grenzen der Lohnrunde
Die Ausgangsbasis bleibt bescheiden. 141 US-Dollar Mindestlohn und 347 US-Dollar Durchschnittslohn markieren weiter das untere Ende der Region. S&P nennt die Haushaltseinkommen trotz aller Fortschritte niedrig. Laut Rahmons Parlamentsansprache leben noch 19 % der rund 10,7 Mio. Einwohner in Armut. Die Agentur warnt zudem vor der starken Abhängigkeit von Rücküberweisungen der Arbeitsmigranten, vor allem aus Russland. Bricht dieser Zufluss ein, trifft das den Konsum und die Somoni-Stabilität zugleich.
Hinzu kommt ein teures Großprojekt. Der Wasserkraftbau Rogun verschlingt laut einer S&P-Schätzung, die Asia-Plus dokumentiert, noch 5,8 Mrd. US-Dollar bis zur Fertigstellung. Das Geld konkurriert im Haushalt direkt mit Gehältern und Renten. S&P erwartet außerdem, dass sich das Wachstum nach der aktuellen Boomphase allmählich abschwächt.
Kurzfristig stützen die höheren Staatslöhne den Konsum und halten Lehrer, Ärzte und Beamte im Land. Der Staat konkurriert dabei mit den Lohnniveaus in Russland und Kasachstan, wohin weiter Hunderttausende Tadschiken zur Arbeit gehen. Dauerhaft tragfähig ist der Kurs nur, wenn Wachstum und Steuereinnahmen Schritt halten. Die nächste Bewährungsprobe folgt im Herbst: Dann zeigt sich, ob die Lohnrunde die bisher niedrige Inflation anschiebt.
Quelle: Asia-Plus, Asia-Plus, Xinhua (EN) Sputnik Tadschikistan, Your.tj (RU)