Polens Inflation fällt im Oktober auf 3,5%: Die Preise sinken um 0,4% zum Vormonat
Polens Verbraucherpreise liegen im Oktober um 3,5% über dem Vorjahresmonat. Das meldet das Statistikamt GUS in seiner Schnellschätzung vom 30. Oktober. Zum September fielen die Preise um 0,4%. GUS schreibt, die Preise seien „um 3,5% gestiegen“. Der Bezug ist der „entsprechende Monat des Vorjahres“ (übersetzt aus dem Englischen).
Die Teuerung hat im Oktober an Tempo verloren. Zahlen nach Warengruppen enthält die veröffentlichte Kurzfassung nicht. Die Schnellschätzung ist vorläufig, GUS kann die Werte mit der Endfassung noch ändern.
Löhne wachsen schneller als die Preise
Die Realeinkommen steigen weiter. Laut GUS verdienten Beschäftigte der Unternehmen im September im Schnitt 5,9% mehr als ein Jahr zuvor. Im August lag das Plus bei 5,6%. Diese Daten fasst Deutsche Bank Polska in ihrem Marktkommentar vom 27. Oktober zusammen. Das jüngste Lohnwachstum liegt 2,4 Prozentpunkte über der Oktober-Inflation.
Die Industrieproduktion legte im September um 4,6% zum Vorjahr zu. Zum August stieg sie um 17,0%. Die Einzelhandelsumsätze wuchsen real um 3,3% zum Vorjahr, fielen aber um 3,8% zum Vormonat. Die registrierte Arbeitslosenquote blieb bei 5,8%. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr.
Zinsen bleiben vorerst bei 3,75%
Der Leitzins der Notenbank NBP liegt laut Deutsche Bank Polska bei 3,75%. Die Bank erwartet ihn bis Januar 2027 unverändert. Ab Februar 2027 sieht sie 4,00%, ab Juni 4,25%. Für Oktober hatte ihre Prognosetabelle eine Inflation von 3,8% ausgewiesen. Der gemeldete Wert von 3,5% liegt darunter.
Deutsche Bank Polska rechnet nicht mit einem dauerhaften Rückgang. Ihre Prognose sieht 3,9% im November und 4,0% im Dezember. Im Januar und Februar 2027 erwartet sie 4,3%, im Juni 4,6%. Die Oktober-Zahl wäre dann eine Atempause, keine Wende.
Der Rückgang der Kerninflation, schreibt die Bank, gebe dem Zinsrat „another reason“, die Zinsen vorerst nicht zu ändern.
Deutsche Bank Polska nennt außerdem eine Korrektur bei den Staatsfinanzen. Das Defizit des Staates lag 2025 bei 7,2% der Wirtschaftsleistung, nicht bei 7,3%. Die Zahl liegt weit über der Obergrenze von 3,0%, die der EU-Stabilitätspakt vorsieht. Sie schränkt den Spielraum der Regierung ein, Verbraucher und Firmen zu entlasten.
Für deutsche Exporteure heißt das: Die Kaufkraft in Polen wächst, die Zinsen bleiben vorerst niedrig. Wer Konsumgüter oder Maschinen nach Polen liefert, kann mit stabiler Nachfrage planen. Der schwache Einzelhandelsumsatz im September mahnt aber zur Vorsicht bei der Lagerplanung. Investoren sollten die erwartete Zinswende ab Februar 2027 in ihre Finanzierung einrechnen.
Quellen: GUS (EN), Deutsche Bank Polska (EN)
SK, Frankfurt