Zum Inhalt springen
Freitag, 23. Oktober 2026 Newsletter: Russia by the Numbers English Edition: eastern-economy.com ↗
Ostwirtschaft.de
Wirtschaftsanalysen zu Mitteleuropa, Russland, Zentralasien, Kaukasus & Türkei

Ungarn senkt den Leitzins auf 5,5%: tiefster Stand seit Mai 2022

Ungarn senkt den Leitzins auf 5,5%: tiefster Stand seit Mai 2022

Die ungarische Notenbank Magyar Nemzeti Bank hat den Leitzins am 25. August um 25 Basispunkte auf 5,5% gesenkt. Tiefer lag der Satz zuletzt am 31. Mai 2022, damals bei 5,4%. Der Geldmarktrat senkte auch beide Ränder des Zinskorridors um jeweils 25 Basispunkte. Ab dem 26. August verzinst die Notenbank Tagesgeldeinlagen mit 4,5%, besicherte Tageskredite mit 6,5%.

Es war die dritte Senkung in Folge. Notenbankchef Mihály Varga hatte den Zyklus am 23. Juni angekündigt und drei Schritte zu je 25 Basispunkten in Aussicht gestellt. Damit ist die Serie abgearbeitet.

„Bei anhaltend günstigen Entwicklungen sieht die Magyar Nemzeti Bank Spielraum für weitere Zinssenkungen im Verlauf des Sommers“, sagte Varga damals auf der Pressekonferenz nach der Juni-Sitzung.

Die Inflation liefert den Spielraum

Den Ausschlag gaben die Preisdaten. Im Juli fiel die Jahresteuerung auf 1,2%. Das ungarische Statistikamt Központi Statisztikai Hivatal meldete damit den niedrigsten Wert seit rund zehn Jahren. Der für den Sommer erwartete Anstieg blieb aus. Die Rate liegt weit unter dem Inflationsziel der Notenbank von 3%.

Auch die Währung stützt. Der Forint notierte am 25. August bei 362,62 je Euro. Gegenüber dem Jahresanfang steht er um 5,8% fester zum Euro, um 5,3% zum US-Dollar und um 6,2% zum Schweizer Franken. Eine starke Landeswährung dämpft importierte Preisimpulse und vergrößert den Handlungsspielraum der Notenbank.

Gegen weitere Lockerungen sprechen mehrere Faktoren. Die Renditen langlaufender Staatsanleihen steigen weltweit, die Energiepreise bleiben hoch, die geopolitischen Risiken ebenfalls. Der nächste Zinsentscheid fällt am 22. September. Dann legt die Notenbank auch ihren quartalsweisen Inflationsbericht vor. Er entscheidet, ob der Zyklus weiterläuft oder pausiert.

Eine zweite Frage rückt näher: Notenbank-Vizepräsident Péter Benő Banai wies darauf hin, dass Ungarns Inflationsziel von 3% über dem anderer europäischer Länder liegt. Mit Blick auf die Euro-Einführungspläne der Regierung könnte eine Überprüfung anstehen. Die Notenbank äußert sich dazu bisher zurückhaltend.

Was das für deutsche Exporteure bedeutet

Ungarn ist für den deutschen Maschinenbau und die Automobilzulieferer ein zentraler Standort in Mitteleuropa. Sinkende Leitzinsen verbilligen Investitionskredite ungarischer Kunden. Wer Maschinen, Anlagen oder Nutzfahrzeuge verkauft, trifft ab Herbst auf Abnehmer mit günstigeren Finanzierungskonditionen. Das gilt besonders für mittelständische Kunden, die Investitionen seit 2023 verschoben haben.

Der feste Forint wirkt in dieselbe Richtung. Deutsche Lieferungen in Euro werden für ungarische Käufer rechnerisch billiger. Umgekehrt drückt der Kurs die Wettbewerbsfähigkeit ungarischer Exporteure. Eine Umfrage der Magyar Nemzeti Bank vom Juni zeigte, dass 17% der befragten Unternehmen einen Kurs von 355 Forint je Euro keine drei Monate durchhalten wollten. Aktuell liegt der Kurs darüber, der Druck bleibt also bestehen.

Für deutsche Unternehmen mit ungarischen Produktionsstandorten dreht sich das Vorzeichen. Kosten in Forint verteuern sich in Euro gerechnet. Wer aus Ungarn in den Euroraum liefert, verliert Marge. Beide Effekte gehören in die Kalkulation für 2027.

Quellen: Magyar Nemzeti Bank, Zinsentscheid vom 25. August 2026; Központi Statisztikai Hivatal, Verbraucherpreise Juli 2026 (HU/EN)

SK, Frankfurt

Teilen: LinkedIn X