72,48 Mrd. Kubikmeter: Turkmenistans Gasförderung sinkt das vierte Jahr in Folge
Turkmenistan förderte 2025 laut Eni so wenig Erdgas wie seit 2019 nicht, setzt aber auf 80 Mrd. Kubikmeter im Jahr 2026 und den 5,1 Mrd. US-Dollar teuren Ausbau von Galkynysh.
Zentralasien-Kolumne „Steppe Ahead“
72,48 Mrd. Kubikmeter Erdgas hat Turkmenistan 2025 gefördert, 1,4 % weniger als im Vorjahr. Das zeigt der am 2. November erschienene World Energy Review des italienischen Energiekonzerns Eni. Die Förderung sinkt damit das vierte Jahr in Folge. Das aserbaidschanische Nachrichtenportal Trend nennt den Wert den niedrigsten Stand seit 2019.
Förderung und Export schrumpfen seit Jahren
Die Eni-Statistik zeichnet einen stetigen Abstieg. 2021 förderte Turkmenistan noch 79,35 Mrd. Kubikmeter. Seither ging es jedes Jahr bergab, bis auf jetzt 72,48 Mrd. Das ist ein Minus von 8,7 % in vier Jahren. Beim Export sieht es schlechter aus. Turkmenistan verkaufte 2025 laut Eni 36,89 Mrd. Kubikmeter ins Ausland, 1,4 % weniger als 2024. Im Jahr 2019 waren es noch 61,22 Mrd. Kubikmeter, rund 40 % mehr als heute. Fast die Hälfte der Förderung bleibt inzwischen im Inland: Der Eigenverbrauch lag 2025 bei 35,58 Mrd. Kubikmetern.
Turkmenistan steht mit diesem Trend in der Region nicht allein. Kasachstans Gasexporte brachen laut Eni um 28 % auf 4,77 Mrd. Kubikmeter ein, die Förderung sank um 6,1 %. Usbekistan steigerte seine Produktion zwar um 2,4 % auf 40,16 Mrd. Kubikmeter. Es verbrauchte mit 54,32 Mrd. aber weit mehr, als es fördert, und bleibt Nettoimporteur. Turkmenistans Fundament bleibt dabei gewaltig: Eni führt das Land mit 13.900 Mrd. Kubikmetern als fünftgrößten Reservenhalter der Welt, hinter Russland, Iran, Katar und den USA.
Aschgabat hält am Ziel von 80 Mrd. Kubikmetern fest
Die Staatsführung zeichnet ein anderes Bild. Turkmengaz-Chef Maksat Babayew bezifferte das Förderziel für 2026 auf rund 80 Mrd. Kubikmeter. Das sagte er laut dem turkmenischen Nachrichtenportal Turkmenportal am 23. Oktober nach der Branchenkonferenz „Oil and Gas of Turkmenistan“ in Aschgabat. Die Messe zog laut der regionalen Wirtschaftszeitung Times of Central Asia rund 700 ausländische Teilnehmer an, etwa 40 % mehr als im Vorjahr. Nasar Atadschanow, Direktor des Turkmen Energy Forum, sprach von einem Rekord. Auffällig stark vertreten waren Firmen aus China und Malaysia. Die Regierung meldete zudem laut Trend für die ersten neun Monate 2026 eine Planerfüllung von 109,1 % bei der Gasförderung. Absolute Zahlen veröffentlicht Aschgabat nicht. Die Lücke zwischen Plan und Eni-Schätzung beträgt rund 7,5 Mrd. Kubikmeter. Das ist mehr, als Kasachstan 2025 insgesamt exportierte. Der Widerspruch hat System: Aschgabat meldet seit Jahren Planerfüllung in Prozent, während externe Schätzungen sinkende Volumen ausweisen. Eni stützt sich auf Daten des Marktforschers Enerdata und weitere offizielle Quellen.
Das Wachstum soll vor allem aus dem Riesenfeld Galkynysh kommen. Die vierte Ausbaustufe kostet laut Times of Central Asia 5,1 Mrd. US-Dollar. Der chinesische Staatskonzern CNPC baut seit April Förderbohrungen und eine Aufbereitungsanlage für 10 Mrd. Kubikmeter pro Jahr. Turkmenistan finanziert das Projekt selbst. Hauptabnehmer bleibt China mit rund 30 Mrd. Kubikmetern jährlich über die Zentralasien-China-Pipeline. Die neue Kapazität entspricht einem Drittel dieser Menge.
Neue Routen sollen die Abhängigkeit von China mindern
Wohin das zusätzliche Gas fließen soll, ist offen. Aschgabat setzt auf zwei Projekte. Die TAPI-Pipeline nach Afghanistan, Pakistan und Indien ist für 33 Mrd. Kubikmeter pro Jahr ausgelegt. Auf dem 153 Kilometer langen Abschnitt zur afghanischen Stadt Herat waren laut Times of Central Asia bis Mitte September 122,3 Kilometer Rohr verlegt. Erste Lieferungen nach Afghanistan sollen 2027 starten. Dazu kommt die Transkaspische Pipeline Richtung Europa. „Wir sind nicht nur an der Gasleitung selbst interessiert, sondern am transkaspischen Korridor insgesamt“, sagte Babayew laut Turkmenportal in Aschgabat. Präsident Serdar Berdimuhamedow erklärte dort, das Land messe dem Ausbau der Exportrouten große Bedeutung bei.
Der Druck auf neue Einnahmequellen wächst auch gesamtwirtschaftlich. Das Wachstum des turkmenischen Außenhandels verlangsamte sich laut Trend von Januar bis September 2026 auf 13,2 %. Das sind 5,2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahlen stammen aus dem Bericht von Vize-Regierungschef Nokerkuly Atagulyýew an Präsident Berdimuhamedow vom 16. Oktober. Auch hier gilt: Absolute Handelswerte nennt die Regierung nicht.
Für beide Pipeline-Routen fehlen bisher verbindliche Abnehmer und die Finanzierung der Anschlussabschnitte. Solange sie nicht stehen, hängt Turkmenistans Gasgeschäft fast vollständig an Peking. Die Eni-Zahlen zeigen zudem: Mehr Reserven garantieren keine wachsende Förderung. Das Land braucht Technologie und Kapital aus dem Ausland, um den Abwärtstrend zu drehen. Ob der Ausbau von Galkynysh dafür reicht, lässt sich frühestens 2027 an den Exportdaten ablesen.
Quelle: Eni World Energy Review 2026, Trend, Trend (Außenhandel), Times of Central Asia, Times of Central Asia (Galkynysh), Turkmenportal (alle EN)