Die Türkei könnte infolge der steigenden Energiepreise im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran bis Ende 2026 zusätzliche Importkosten von rund 14 Milliarden US-Dollar tragen müssen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Energie-Thinktanks Ember, die am 12. Juni veröffentlicht wurde.
Dem Bericht zufolge würden die höheren Preise für fossile Brennstoffe die türkischen Ölimporte um etwa 7,7 Milliarden US-Dollar verteuern. Gleichzeitig könnten die Kosten für Erdgasimporte um weitere 6,4 Milliarden US-Dollar steigen.
Laut Ember sind die Energiepreise seit Beginn des Konflikts deutlich gestiegen. Zwischen Ende Februar und Anfang Mai legte der Preis für Brent-Rohöl um rund 50% zu. Die europäischen Erdgaspreise stiegen um 45%, während die Kohlepreise um 3% zulegten.
Da die Türkei in hohem Maße auf Energieimporte angewiesen ist, wirken sich diese Preissteigerungen unmittelbar auf die Handelsbilanz und die Energiekosten des Landes aus.
„Die Nettoenergieimporte der Türkei stiegen in den ersten drei Monaten nach Ausbruch des Konflikts im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 3 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 26%“, erklärte Ember.
Straße von Hormus bleibt Risikofaktor
Ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor bleibt die Straße von Hormus, durch die etwa 20 % des weltweiten Ölangebots sowie ein erheblicher Teil des globalen Flüssigerdgashandels (LNG) transportiert werden.
Die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran sorgen weiterhin für Unsicherheit auf den Energiemärkten. Sollten die Preise für Öl und Gas auf dem Niveau von Anfang Mai verharren, könnten sich die zusätzlichen Energiekosten für die Türkei bis Jahresende auf rund 14 Milliarden US-Dollar summieren.
Dies entspräche etwa 30% der durchschnittlichen jährlichen Energieimportkosten des Landes.
Hohe Importabhängigkeit belastet die Wirtschaft
Nach Angaben von Ember deckt die Türkei rund zwei Drittel ihres Energiebedarfs durch importierte fossile Brennstoffe. Besonders hoch ist die Abhängigkeit bei einzelnen Energieträgern:
- Erdgas: 95% Importanteil
- Rohöl: 83% Importanteil
- Kohle: 60% Importanteil
Besonders stark von den hohen Energiepreisen betroffen ist der Verkehrssektor. Nach Berechnungen von Ember entfiel 2025 rund ein Drittel der gesamten Energiekosten auf den Straßenverkehr. Industrie, private Haushalte und Stromerzeugung machten jeweils etwa 16 % der Kosten aus.
Leistungsbilanzdefizit geht zurück
Trotz der steigenden Energiepreise zeigte sich zuletzt eine gewisse Entspannung bei den türkischen Außenhandelsdaten.
Im April verzeichnete die Türkei ein Leistungsbilanzdefizit von 5,7 Milliarden US-Dollar. Damit fiel das Defizit deutlich niedriger aus als im April 2025, als noch ein Minus von 8,45 Milliarden US-Dollar registriert wurde. Gleichzeitig war es das niedrigste Defizit seit November 2025.
Das Defizit im Warenhandel verringerte sich von 9,89 Milliarden auf 6,82 Milliarden US-Dollar. Ohne die volatilen Komponenten Gold und Energie erzielte die Türkei sogar einen Leistungsbilanzüberschuss von 320 Millionen US-Dollar.
Dennoch bleibt die Entwicklung der Energiepreise ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Stabilität des Landes. Eine anhaltende Eskalation im Nahen Osten könnte die Importkosten weiter erhöhen und den Druck auf Inflation, Außenhandel und Währung verstärken.

