Zum Inhalt springen
Montag, 26. Oktober 2026 Newsletter: Russia by the Numbers English Edition: eastern-economy.com ↗
Ostwirtschaft.de
Wirtschaftsanalysen zu Mitteleuropa, Russland, Zentralasien, Kaukasus & Türkei

Polens Inflation steigt auf 4,1%: Kraftstoff treibt die Preise, die Industrie wächst um 4,6%

Polens Inflation steigt auf 4,1%: Kraftstoff treibt die Preise, die Industrie wächst um 4,6%

Polens Verbraucherpreise stiegen im September um 4,1% zum Vorjahresmonat. Das meldet das Statistikamt GUS in seiner endgültigen Berechnung vom 14. Oktober. Im August lag die Rate bei 3,4%. Die erste Schätzung hatte 4,0% ergeben. Erstmals seit Juni 2025 liegt die Inflation damit über dem Zielkorridor der Notenbank NBP: 2,5% mit einer Toleranz von 1 Prozentpunkt.

Kraftstoff treibt die Teuerung

Den Anstieg verursacht vor allem der Kraftstoff. Er verteuerte sich laut GUS um 36,1% zum Vorjahr und um 9,2% zum Vormonat. Lebensmittel kosteten dagegen 0,7% weniger als vor einem Jahr. Im August hatte das Minus noch 1,2% betragen. Dienstleistungen legten um 5,3% zu, so langsam wie seit fünf Monaten nicht.

Die Kerninflation lag im August bei 3,3%. Nach vorläufigen Daten hat sie sich im September eher abgeschwächt. Der Preisschub kommt also von außen, nicht aus der Breite der Wirtschaft.

Auch Heizstoffe wurden teurer. Holzpellets und Briketts kosteten rund 25% mehr als vor einem Jahr, Kohle rund 13% mehr. Strom, Fernwärme und Warmwasser stiegen um 3% bis 5%.

Der Rat der NBP ließ den Referenzzins nach seiner Sitzung vom 6. und 7. Oktober bei 3,75%. Der Satz gilt seit der einzigen Senkung dieses Jahres im März. NBP-Präsident Adam Glapiński sagte am 8. Oktober: „Die Kraftstoffpreise sind ein völlig externer Faktor, unabhängig von unseren Maßnahmen.“ Er fügte an: „Wenn die Risiken zunehmen, ist der Rat zum Handeln bereit.“

Eine Zinserhöhung hält Glapiński nach der November-Projektion der NBP für möglich, aber nicht für erwartet. Ein Risiko liegt im Januar: Die befristeten Senkungen von Mehrwertsteuer und Akzise auf Kraftstoff laufen zum Jahresende aus. Verlängert die Regierung sie nicht, steigen die Preise wieder.

Industrie wächst schneller als erwartet

Die Industrieproduktion stieg im September um 4,6% zum Vorjahr, meldete GUS am 20. Oktober. Der Konsens der Ökonomen lag bei 3,1%. Das Verarbeitende Gewerbe wuchs um 4,0%, nach 3,1% im August. Der Bergbau legte um 12,9% zu, die Energieversorgung um 10,2%.

Auch die Binnennachfrage trägt. Die Löhne im Unternehmenssektor steigen laut Glapiński um rund 6%. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal um etwa 4,0%, und die Aktivität im dritten Quartal ließ nur leicht nach.

Was das für deutsche Unternehmen heißt

Polen bleibt ein wachsender Absatzmarkt für deutsche Vorprodukte und Maschinen. Die Industrie fragt mehr Zulieferungen nach, und die Löhne stützen den Konsum. Exporteure sollten Preisklauseln in Verträgen mit polnischen Kunden prüfen, denn Transport und Energie verteuern sich. Investoren können mit einem stabilen Leitzins von 3,75% rechnen. Das Zinsrisiko steigt aber, falls die November-Projektion höhere Inflation zeigt.

Quellen: GUS (PL/EN), NBP-Pressekonferenz vom 8. Oktober 2026 (PL)

SK, Frankfurt

Teilen: LinkedIn X