Slowakei plant 2027 ein Defizit von 4,94%: S&P bestätigt Rating A, die Industrie schrumpft um 0,2%
Die Slowakei plant für 2027 ein Defizit von 4,94% der Wirtschaftsleistung. Für 2026 rechnet das Finanzministerium in Bratislava mit 4,37%. Das Parlament verabschiedete den Haushalt am 14. Oktober. Neun Tage später bestätigte die Ratingagentur S&P die Note A mit stabilem Ausblick. Im April hatte sie die Slowakei von A+ herabgestuft.
Haushalt: Defizit steigt, Schuldenquote nähert sich 70%
Das gesamtstaatliche Defizit beträgt 2027 rund 7,4 Mrd. Euro. Ursprünglich hatte die Regierung für 2026 nur 4,1% geplant. Die Schuldenquote soll am Ende des Planungshorizonts 69,6% erreichen. Das gilt nur, wenn nach 2027 weitere Sparmaßnahmen folgen. Ohne sie übersteigt die Quote laut Finanzministerium die Marke von 70%.
Die Pläne für die Folgejahre bleiben an Bedingungen geknüpft. Das Defizit soll 2028 auf 4,5% und 2029 auf 4,0% sinken. Das gelingt nur mit zusätzlichen Maßnahmen. Ohne sie steigt es auf 5,26% und 5,41%.
Das Ministerium beziffert den Sparbedarf selbst. Es schreibt in seinem Haushaltsplan: „Diese Strategie erfordert Maßnahmen im Umfang von 0,8% des BIP im Jahr 2028.“ Die Passage stammt aus dem Slowakischen und ist übersetzt. Die Regierung plant 250 Mio. Euro für Energiepreishilfen ein. Dazu kommen 482 Mio. Euro Reserve für neue Sozialgesetze. Die Gehälter im öffentlichen Dienst steigen ab 1. Juli 2027 um 8,4%.
Finanzminister Ladislav Kamenický kommentierte die Rating-Entscheidung so: „Standard & Poor’s hat uns das Rating A mit stabilem Ausblick bestätigt.“ Er fügte an: „Das ist sehr wichtig, denn darauf hören die Finanzmärkte.“ Beide Zitate stammen aus dem Slowakischen und sind übersetzt. Die Opposition kritisiert die Note als niedrigste seit 2014.
Industrie: Elektronik bricht um 47,3% ein
Die Industrieproduktion sank im August um 0,2% zum Vorjahr, meldete das Statistikamt ŠÚ SR. Es ist der fünfte Rückgang in diesem Jahr, aber der kleinste. Von Januar bis August liegt das Minus bei 0,3%. Die Erdölverarbeitung fiel um mehr als 12%. Die Produktion von Computern und elektronischen Erzeugnissen fiel um 47,3%. Der Fahrzeugbau schrumpfte um 3,3%, weil Betriebsferien sich verschoben.
Andere Branchen wuchsen. Der Maschinenbau legte um 9,5% zu, die Energieversorgung um 7,2% und die Metallindustrie um 6,6%.
Konsequenz für deutsche Exporteure und Investoren
Deutsche Zulieferer in Elektronik und Fahrzeugbau sollten Aufträge slowakischer Abnehmer enger absichern. Der Maschinenbau bleibt ein Wachstumsmarkt für deutsche Anlagenbauer. Investoren müssen 2028 mit neuen Konsolidierungsmaßnahmen rechnen. Die bestätigte Note A hält die Refinanzierungskosten des Staates vorerst im Rahmen.
Quellen: Finanzministerium der Slowakei (SK), Štatistický úrad SR (SK), S&P Global Ratings (EN), Nachrichtenagentur TASR (SK)
SK, Frankfurt